Das Börsenblog über Steigflug und Tauchgang
Höhenmeter BNS +1.500 m INNIO +1.080 m PLTR ±0 m Stand je Beitrag
Software · Wasserlinie

Ist Palantir ein U-Boot?

93 Prozent Umsatzwachstum, eine erneut erhöhte Jahresprognose — und trotzdem liegt der Kurs ein Fünftel unter dem Hoch. Wer hier ein U-Boot vermutet, sucht es an der falschen Stelle: Das Risiko steckt nicht im Geschäft, sondern vollständig im Preis.

13. September 20269 MIN.WKN A2QA4JISIN US69608A1088Nasdaq VON KAPITÄN RAKETE

Überdruck. Das Geschäft ist in Ordnung, die Bewertung lässt keine Fehlertoleranz. Nicht das Unternehmen muss enttäuschen, damit der Kurs fällt — es genügt, dass es nur noch gut statt außergewöhnlich läuft.

Die Frage im Titel klingt nach einer Provokation, ist aber ernst gemeint. Ein U-Boot ist auf diesen Seiten kein Wert, der gefallen ist — es ist ein Wert, dem die Substanz fehlt, um wieder aufzutauchen. Bei Palantir liegt der Kurs derzeit rund ein Fünftel unter dem Jahreshoch von 207,52 Dollar. Das allein macht noch kein U-Boot. Die Frage ist, was darunter liegt.

Und da wird es interessant, denn die Antwort fällt in zwei Hälften, die gegensätzlicher kaum sein könnten.

Was die Zahlen tatsächlich hergeben

Das zweite Quartal 2026 war das stärkste, das dieses Unternehmen je vorgelegt hat. Der Umsatz stieg um 93 Prozent auf 1,94 Milliarden Dollar — nicht das Wachstum eines Nachzüglers, der sich hochrechnet, sondern die höchste Wachstumsrate der eigenen Firmengeschichte, und das bei einer Basis, die längst im Milliardenbereich liegt.

Aufgeschlüsselt wird es noch deutlicher. Das US-Geschäft mit Unternehmenskunden legte um 149 Prozent auf 764 Millionen Dollar zu, das US-Regierungsgeschäft um 90 Prozent auf 809 Millionen. Zusammen 1,57 Milliarden Dollar allein in den Vereinigten Staaten, ein Plus von 115 Prozent. Das Management hat die Jahresprognose daraufhin von 7,65 auf 8,15 Milliarden Dollar angehoben, was auf etwa 80 Prozent Wachstum für das Gesamtjahr hinausläuft.

Auch die Kundenseite trägt: 220 Abschlüsse über einer Million Dollar im Quartal, davon 98 über fünf und 70 über zehn Millionen. Das ist keine Handvoll Großverträge, die ein Quartal schmückt, sondern Breite.

Wer nach dem Muster eines U-Boots sucht — Umsatz stagniert, Marge erodiert, Prognosen werden dreimal gesenkt und mit Wechselkursen erklärt — findet hier nichts. Das Gegenteil ist der Fall.

Der Preis ist die ganze Wette

Das Problem liegt in der zweiten Hälfte. Bei rund 447 Milliarden Dollar Marktkapitalisierung zahlt der Markt für einen Jahresumsatz von etwa 8,15 Milliarden ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von grob 46 bis 50 — je nach Berechnungsgrundlage. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt bei rund 193.

Diese Zahlen bedeuten nicht „teuer”. Sie bedeuten etwas Spezifischeres: Gegenüber Software-Vergleichswerten wie ServiceNow, CrowdStrike oder Snowflake wird Palantir mit einem Aufschlag von 250 bis 300 Prozent gehandelt. Der Markt unterstellt also nicht nur, dass das Wachstum weitergeht, sondern dass es in einer Klasse weitergeht, in der sonst niemand spielt.

Und genau hier entsteht das Risiko, das die Skala dieses Blogs eigentlich abbilden soll: Bei einer solchen Bewertung muss das Unternehmen nicht scheitern, damit die Aktie fällt. Es genügt, dass es nur noch sehr gut statt außergewöhnlich wächst. Eine Wachstumsrate, die von 93 auf 50 Prozent zurückgeht, wäre für fast jedes andere Software-Unternehmen ein Traumquartal — für diese Bewertung wäre sie eine Enttäuschung.

Der Rücksetzer von 207,52 auf 167,23 Dollar ist dafür die Anschauung. Zwischen dem Hoch und heute liegt keine schlechte Nachricht. Es liegt nur eine Neubewertung der Frage, wie lange Ausnahmewachstum Ausnahmewachstum bleibt.

Was ein U-Boot wäre — und was nicht

Die Skala dieses Blogs unterscheidet zwischen Ballast, Tauchgang und U-Boot, und der Unterschied ist keine Frage des Kursverlusts, sondern der Ursache. Ballast bremst. Tauchgang bedeutet ein Substanzproblem. U-Boot heißt: Raus, ohne auf Erholung zu warten, weil das Geschäft die Erholung nicht hergibt.

Nach dieser Definition ist Palantir kein U-Boot. Ein Unternehmen, das seinen Umsatz binnen eines Jahres fast verdoppelt und die eigene Prognose nach oben korrigiert, hat kein Substanzproblem.

Was es hat, ist ein Preisproblem — und das ist eine andere Kategorie. Ein hervorragendes Geschäft zu einem Preis, der Perfektion voraussetzt, ist weder Steigflug noch Tauchgang. Es ist ein Wert, bei dem die Richtung nicht von den Zahlen des Unternehmens abhängt, sondern von der Risikoneigung des Marktes.

Für genau diesen Fall trägt dieser Beitrag die Marke Überdruck: Der Druckkörper hält, solange alles nach Plan läuft. Die Stufe bleibt deshalb auf der Wasserlinie — nicht aus Unentschlossenheit, sondern weil die Höhenmeter hier nichts zu sagen haben.

Pro

  • Wachstum in der höchsten eigenen Firmengeschichte: 93 Prozent im Quartal, bei einer Basis von fast zwei Milliarden Dollar Quartalsumsatz
  • Breite statt Einzelabschlüsse: 220 Deals über einer Million Dollar, davon 70 über zehn Millionen
  • Prognose zweimal erhöht — von 7,65 auf 8,15 Milliarden Dollar, das Management rechnet also nicht mit einer Abkühlung
  • Zwei tragende Säulen: Regierungsgeschäft (+90 %) und Unternehmenskundengeschäft in den USA (+149 %) wachsen beide, nicht nur eines
  • Kurs bereits 19 Prozent unter dem Hoch, ein Teil der Euphorie ist ausgepreist

Contra

  • Bewertungsaufschlag von 250 bis 300 Prozent gegenüber Software-Peers wie ServiceNow, CrowdStrike oder Snowflake
  • KUV von 46 bis 50 lässt keinen Raum für ein Quartal, das nur gut ist
  • KGV um 193 bedeutet: Der Gewinn muss über Jahre zweistellig wachsen, damit die heutige Bewertung im Rückblick vertretbar aussieht
  • Wachstumsraten dieser Höhe sind mathematisch endlich — je größer die Basis, desto schwerer die Verdopplung
  • Kursverlauf ohne fundamentale Ursache: Der Rückgang vom Hoch kam ohne schlechte Nachricht, was zeigt, wie stark hier die Stimmung den Kurs trägt

Fazit

Palantir ist kein U-Boot. Wer die Frage des Titels mit Ja beantworten will, muss ein Substanzproblem benennen können, und es gibt keines: Das Geschäft wächst schneller als das von fast jedem vergleichbaren Unternehmen, und es wächst breit.

Beruhigend ist das nicht. Denn die Bewertung verlangt, dass genau dieses Tempo anhält — und wer eine Aktie zu einem Preis kauft, der Perfektion voraussetzt, kauft nicht das Unternehmen, sondern die Annahme über die nächsten Jahre. Diese Annahme kann richtig sein. Sie ist nur keine Kennzahl, sondern eine Wette.

Für dieses Depot heißt das: beobachten. Nicht weil das Unternehmen fragwürdig wäre, sondern weil der Preis keine Fehlertoleranz lässt. Der Einstieg wird interessant, wenn entweder die Bewertung zurückkommt oder ein weiteres Quartal zeigt, dass 80 Prozent Wachstum auf dieser Basis wiederholbar sind.

Transparenz und Hinweise

Keine Anlageberatung. Diese Einordnung basiert auf öffentlich zugänglichen Informationen und stellt keine individuelle Anlageberatung sowie keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar.

Risikohinweis. Aktien unterliegen Kursschwankungen. Verluste bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals sind möglich. Vergangene Wertentwicklungen sind kein Indikator für künftige Ergebnisse.

Eigene Position: Watchlist — keine Position in diesem Wert.

Zu den Kennzahlen. Bewertungskennzahlen wie KUV und KGV werden je nach Datenanbieter und Prognosegrundlage unterschiedlich beziffert; die hier genannten Werte sind Näherungen und keine exakten Größen.

Stand der Kursdaten: 13. September 2026, Kurs 167,23 Dollar. Angaben können sich seither erheblich verändert haben.

Weitere Beiträge